Das Kunming-Montreal-Abkommen:Wie die Welt die Natur schützen will
von Caelan Novo Fernandez
Das Kunming-Montreal-Abkommen ist ein Naturschutzvertrag, der das Artensterben beenden soll. Welche Ziele die UN vereinbart hat und wie sie erreicht werden sollen.
Weltweit sind viele Tier- und Pflanzenarten bedroht. Die Ursachen des globalen Artensterbens liegen häufig in menschlicher Hand. Dabei sind gesunde Ökosysteme überlebenswichtig.
14.10.2026 | 1:36 minFür die Biodiversität - also die Vielfalt aller lebenden Organismen, Lebensräume und Ökosysteme - könnte das Kunming-Montreal-Abkommen einen historischen Umbruch im Naturschutz bedeuten.
Mit diesem Naturschutzvertrag hat sich die internationale Staatengemeinschaft dazu verpflichtet, den Verlust biologischer Vielfalt bis 2050 zu beenden - mehr noch, ihn umzukehren. Ist das Abkommen die Reißleine vor dem Ökosystemkollaps?
Es ist das größte Massensterben seit 65 Millionen Jahren: Täglich verschwinden auf der Erde rund 150 Arten.
16.01.2025 | 29:48 minWas ist das Kunming-Montreal-Abkommen?
Das Kunming-Montreal-Abkommen ist ein internationaler Rahmenvertrag zum Schutz der Natur. 196 Staaten vereinbarten 2022 auf dem Biodiversitätsgipfel der UN in Montreal mehrere Ziele, um den Verlust der biologischen Vielfalt zu stoppen.
Mit Biodiversität - oder biologischer Vielfalt - ist die Vielfalt aller lebenden Organismen, Lebensräume und Ökosysteme an Land, im Wasser und in der Luft gemeint.
Selbst wenn Artenvielfalt fälschlicherweise als Synonym verwendet wird, beschreibt der Begriff nur einen Teil der Biodiversität. Denn zur Biodiversität zählt laut der Biodiversitätskonvention sowohl die Vielfalt unterschiedlicher Arten als auch innerhalb einer Art sowie die Diversität von Ökosystemen.
Forschende und Naturschutzorganisationen weisen immer wieder darauf hin, dass der Blick auf den Artenschutz allein nicht ausreicht. Noch wichtiger sei es, das Funktionieren zusammenhängender Systeme zu erhalten.
Deutschland und die Europäische Union gehören zu den Vertragsstaaten des Übereinkommens - auch bekannt als das "Kunming-Montreal Global Biodiversity Framework" (GBF).
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09.07.2026 | 0:38 minWas sind die Ziele des Kunming-Montreal-Abkommens?
Das Kunming-Montreal-Abkommen umfasst 23 Maßnahmen zum Schutz der Biodiversität, die bis 2030 abgeschlossen sein sollen. Bedrohungen für die biologische Vielfalt sollen verringert und menschliche Nutzung der Natur auf Nachhaltigkeit umgebaut werden.
Zudem sollen die Mitgliedsstaaten politische, wirtschaftliche, sowie finanzielle Entscheidungen auf die Vereinbarkeit mit dem Naturschutz überprüfen.
Ziele des Kunming-Montreal-Abkommens im Detail
Bis 2030 sollen weltweit 30 Prozent der Land- und 30 Prozent der Meeresfläche geschützt sein. Im Fokus stehen dabei Gebiete mit besonderer Bedeutung für die biologische Vielfalt und Ökosystemfunktionen. Dabei sollen die Rechte indigener Völker und lokaler Gemeinschaften gewahrt werden.
Landwirtschaftlich und forstwirtschaftlich genutzte Flächen sowie Gebiete der Fischerei und Aquakultur sollen bis 2030 nachhaltig bewirtschaftet werden. Das bedeutet, dass die Nutzungsweise langfristig nicht zu einem Rückgang der biologischen Vielfalt führt. Damit soll die Leistungsfähigkeit der Gebiete für künftige Generationen erhalten bleiben.
Subventionen, die der biologischen Vielfalt schaden, sollen identifiziert werden. Bis 2030 sollen diese dann jährlich um mindestens 500 Milliarden US-Dollar reduziert werden. Gleichzeitig sollen positive Anreize für den Erhalt und nachhaltige Nutzung der biologischen Vielfalt geschaffen werden.
Vier langfristige Ziele sollen die Vision eines Lebens im Einklang mit der Natur bis 2050 vorantreiben. So soll das Artensterben angehalten, Ökosystemfunktionen wiederhergestellt und Hilfsmittel zur Erreichung dieser Ziele gerecht verteilt werden.
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29.09.2024 | 28:36 minWelchen Wert hat Biodiversität für den Menschen?
Der Schutz der Vielfalt von Lebewesen und Ökosystemen ist für den Menschen essenziell. Die Natur erfüllt lebensnotwendige Funktionen: versorgt uns mit Nahrung und Trinkwasser, bietet Schutz vor Überschwemmungen oder Dürren. Außerdem bildet eine starke Biodiversität die Grundlage für erfolgreichen Klimaschutz.
Gleichzeitig stehen viele Arten und Ökosysteme enorm unter Druck. Studien zufolge ist jede fünfte Pflanzen- oder Tierart in Europa gefährdet. Etwa 81 Prozent der Lebensräume sind laut Europäischer Umweltagentur in einem mangelhaften oder schlechten Zustand. Das Kunming-Montreal-Abkommen soll helfen, diesen Verlust biologischer Vielfalt zu stoppen und umzukehren.
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09.03.2023 | 0:53 minWie wird das Kunming-Montreal-Abkommen realisiert?
Die Ziele des Kunming-Montreal Global Biodiversity Framework werden von den einzelnen Vertragsstaaten in nationale Biodiversitätsstrategien und -aktionspläne übersetzt. Wie Nationen die Maßnahmen umsetzen, bleibt ihnen überlassen.
Entwicklungen werden anhand nationaler Berichte diskutiert. Diese müssen die Vertragsstaaten mindestens alle fünf Jahre vorlegen. Vage Zielformulierungen und fehlende Umsetzungsmaßnahmen machen eine Bewertung der Fortschritte jedoch häufig nicht messbar.
Zudem gibt es keine Sanktionen, sollte ein Land Ziele verfehlen. Damit bleibt es die Aufgabe der Zivilgesellschaft und von Nichtregierungsorganisationen, die Einhaltung der Ziele einzufordern.
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14.06.2026 | 1:33 minWie setzt Deutschland das Kunming-Montreal-Abkommen um?
Auch Deutschland hat sich dazu verpflichtet, Biodiversität zu erhalten und zu fördern. Eine nationale Strategie zur Erhaltung und Verbesserung der biologischen Vielfalt gibt es in Deutschland schon seit 2007.
Schutz der Biodiversität in Deutschland und der EU
Das Bundesumweltministerium fördert seit 2011 Projekte, die dem Schutz, der nachhaltigen Nutzung und der Entwicklung der biologischen Vielfalt in Deutschland dienen. Dazu zählen beispielsweise kommunale Biodiversitätsstrategien oder Projekte zur Wiederansiedlung bestimmter Tierarten.
Bis 2030 sollen mindestens 20 Prozent der Land- und Meeresflächen der EU und bis 2050 alle geschädigten Ökosysteme wiederhergestellt werden. Schädliche Einflüsse sollen demnach reduziert und die Nutzung natürlicher Ressourcen nachhaltig gestaltet werden. Das hat die Europäische Union mit dem Renaturierungsgesetz auf den Weg gebracht.
Im Dezember 2024 hat die Bundesregierung diese auf die Ziele des Kunming-Montreal Global Biodiversity Framework angepasst. Mit einem ersten Aktionsplan soll die Strategie zur Biologischen Vielfalt dann umgesetzt werden, etwa indem Moore wiedervernässt oder Seegraswiesen aufgebaut werden. 2027 soll darüber Bilanz gezogen werden.
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28.02.2023 | 28:33 minWie geht es mit dem Kunming-Montreal-Abkommen weiter?
Die nächste Biodiversitätskonferenz in Armenien (CBD COP 17) startet am 19. Oktober. Dann überprüfen Regierungsvertreterinnen und Regierungsvertreter aus der ganzen Welt ihre Fortschritte zum Schutz von Biodiversität.
Es ist Halbzeit zwischen dem Beschluss des Kunming-Montreal-Abkommens und der Frist zur Erreichung der darin vereinbarten Ziele.
Caelan Novo Fernandez ist Redakteur*in in der ZDF-Umweltredaktion.
Der Artikel wurde am 21. Oktober 2024 erstmals veröffentlicht und nun aktualisiert.
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